Okt 092012
 

wie bitte?

Mal abgesehen davon, dass mit Einführung des SGB II alle Erwerbslosen stigmatisiert wurden, übrigens auch von „wohlmeinenden Unterstützern“ mit Einführung von Sozialtickets und anderen „nichtstigmatisierenden“ Wohltätigkeiten, stellt sich die Frage, kennt diese Geschäftsführerin den Alltag im JC oder ist Hagen der Ort der Glückseligkeit in der Hölle des SGB II.
Beides darf man wohl ruhigen Gewissens verneinen.
So findet sich auch auf der Website des JC Hagen nicht 1 (ein) Hinweis auf die Richtlinien des JC in der auch die Rechte der „Kunden“ auf Leistungen beschrieben sind. Selbst der karge Hinweis auf die KdU (im Lexikon!) ist noch falsch – ca. 45 qm (alleinstehend) s.a. KdU-NRW

Doch weiter in dem Text der WAZ vom heutigen Tage, einem beredten Zeugnis einer irrealen Welt und anhaltender Lernresistenz. Die „Kostproben“,
„…häufiger beleidigt und bedroht…“, „…Stimmung unter den Kunden wird aggressiver…“, „…Beleidigungen und Bedrohungen nehmen zu…“, „…Die Hemmschwelle sinkt…“, „…Aber so eine Stimmung habe ich noch nicht erlebt…“,
nun jedem Menschen, der das mitbekommt sollte klar sein/werden, dass da etwas nicht stimmt. Ein einzelner Mensch kann zwar, auch auf Dauer, irrational handeln, aber gleich eine ganze Gruppe einander unbekannter Menschen? Kollektive Aggressivität aus dem Nichts heraus – völlig grundlos? Nein natürlich nicht und so gibt es auch gleich Erklärungen dafür/dagegen,
„…Aber es gibt auch Kunden, die mit Konflikten nicht umgehen können…“,  „…Restrisiko ,Mensch’, das wir nicht ausschließen können…“, „…Ausschließen nicht – wohl aber minimieren…“,

zu dieser Sprache gibt es wohl kaum noch etwas zu sagen. Doch wir sind noch nicht am Ende, denn es gibt auch noch ein „Heilmittel“
„…Das Sicherheitspersonal aufzustocken wäre ein sichtbares Zeichen…“

mit anderen, altbekannten Worten – „Frieden schaffen mit noch mehr Waffen.“

Gegen Ende des Artikels geht es dann in einer Bemerkung doch noch einmal kurz um das Restrisiko ,Mensch’, sprich die „Kunden“,
„…extremen Lebenssituation. Sie haben Angst um ihre Existenz…“

ach, höchst interessant und warum wohl? Vielleicht wegen der angeblich so vielen „ruhige[n], sachliche[n] Kundengespräche“ die nur einem Zweck dienen – „…Damit tragen wir erheblich zum sozialen Frieden in der Stadt bei…“.
Richtig, aber nur solange bis auch dem vertrauenseligsten Kunden auffällt, dass diese Ausage „…nicht anderes übrig, als nach Gesetzeslage zu entscheiden…“ falsch und heuchlerisch ist.
Denn wie unzählige, erfolgreiche Klagen beweisen, handeln ebenso unzählige Sachbearbeiter bewußt und in voller Absicht, ob auf Anweisung oder im (gedeckten) Alleingang, weit über die Vorgaben des ohnehin schon menschenverachtenden SGB II hinaus gegen das „Wohl ihrer Kunden“.

Tagtäglich werden in diesen Amtsstuben Menschen mit Hilfe aus gutem Grund unveröffentlichter, selbstgestrickter Vorschriften und persönlicher Vorlieben schikaniert, kujoniert, gedemütigt und diskriminiert, ihr einziges Verbrechen – Erwerbslosigkeit.

Menschenwürde geht anders

  • Prof. Götz Werner – “…Hartz4 ist offener Strafvollzug…”
  • Prof. emer. Friedhelm Hengsbach – “…Hartz4 ist ein Bürgerkrieg der politischen Klasse gegen die arm Gemachten…”
  • Prof. Michael Wolf – “…die für Hartz-IV Verantwortlichen in Politik und Verwaltung sind… im politischen Sinne als Verfassungsfeinde zu bezeichnen…”

 

  5 Responses to “Neuß ff. „Dabei ist es wichtig, unsere Kunden nicht zu stigmatisieren“”

Comments (5)
  1.  

    wieso kann ich hier keine links rein kopieren ?hm ??????????????????????

    ich wollte auf den artikel raus, in dem eine (angebliche )jobcentermitarbeiterin die hartzIV-gesetzgebung anklagt und von „MENSCHENABFALL“die rede ist , (so werden die bedürftigen intern bezeichnet )

    „abfall „wird entsorgt …tja…

    •  

      liebe carola,

      keine links? keine Ahnung, hat es schon gegeben und ich kümmere mich darum wieso bei dir nicht. Du meintest aber diesen
      http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/eine-jobcenter-mitarbeiterin-klagt-hartz-iv-an-9001142.php
      der in der Tat einige meiner Artikel gut ergänzt.

      lg
      horst

    •  

      ich bin fest davon überzeugt , das es systemopfer auf beiden seiten gibt ..es geht nicht anders, denn ,

      es ist nicht anzunehmen, das menschen ihr gewissen an den kleiderhaken hängen, wenn sie zur bürotür reinkommen und /oder am schreibtisch platz nehmen .

      nun ist die frage, was mache ich mit dem sich meldenden gewissen(sofern ich eines habe ) ?

      „tot schlagen „(das gewissen )und mich an die anweisungen des vorgesetzten halten ..und /oder…?

      naja..ob mehr secuity und (ggf. technik )das problem löst ..wage ich echt anzu zweifeln..aber, vielleicht hat der securitysektor damit zu kämpfen , das die aufträge zurück gehen ?da is das doch e mehr als willkommener anlass..oder ?(samt der technik, die zur „aufrüstung „erforderlich is )

      naja…auch bei den mitarbeitern solcher unternehmen ist zu fragen , ob sie, für die hungerlöhne , die da mitunter gezahlt werden (oder isses gar die regel ?)bereit sind, ne drohkulisse gegen ihre mütter /schwestern /väter /brüder aufzubaun /am leben zu erhalten ….denn, es könnte ja notwendig werden , da , auch mal die „muskeln spielen „zu lassen .

      hm ….ob manche da noch nen ruhigen schlaf haben , wenn sie sich ge,-missbrauchen lassen, gegen den „abfall „der gesellschaft (zu dem sie ja jeder zeit , bei ungehorsam und /oder „nicht erfüllung der vorgaben /quoten gehören KÖNNTEN )..das sollte sich jeder selber fragen .

  2.  

    Deine treffende Analyse dieses immer und immer vehement verleugneten Zustands der Entwürdigung und der dauerhaften Schuldzuweisung in Richtung Betroffene mit Munch’s Schrei zu betonen… ich finde mom. nicht die passenden Worte…
    „Perfekte Symbiose“ hat so etwas Positives, also irgendwie doch unpassend – trifft es aber dem Grunde nach.
    Ansonsten ist Deinem Artikel nichts hinzu zu fügen.Bis auf: Ich selbst habe beim Lesen des Wortes „Restrisiko Mensch“ einfach nur Übelkeit verspürt, das ist das Einzige, was ich noch ergänzend schreiben kann.
    lG
    Ellen

    •  

      liebe ellen,

      danke für deinen Kommentar. Ja, es ist ein Schrei des Entsetzens aber auch der Empörung.
      Denn gleich ob Frankfurt oder Neuß, ständig die gleiche Übung – „die Hände in Unschuld waschen“.
      Pontius Pilatus durfte das, denn er hat 3 Mal gefragt wen er freilassen sollte und sich so die Absolution geholt, doch wen haben diese Leute gefragt?
      Etwa ver.di ob sie sich nicht ähnlich verweigern sollten wie ihre französischen Kollegen?
      Oder Selbsthilfegruppen ob und wie man Sand in das Getriebe dieses Systems schütten kann?
      Oder ihre Vorgesetzten nach Legalität und Legitimität ihres Handelns?
      3 Fragen die sie nicht gestellt und demzufolge jeglichen Anspruch „ihre Hände in Unschuld zu waschen“ verwirkt haben – auch wenn sie nur einen Teil dieser Schuld tragen.

      lG
      Horst

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(benötigt)

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