Okt 022012
 

Ein offener Brief an alle „Sicherheitsexperten“ aus DPolG*, DBBJ, BMAS, MAIS, der Bundesagentur, den Jobcentern, etc. pp.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„wie aus der Pistole geschossen“ kommen sie mit ihren parteiaffinen, größtenteils untauglichen Schnell“schüssen“ zur Sicherheit daher, ohne sich im Mindesten mit den Ursachen dieses Verbrechens auseinandergesetzt zu haben.

Jedes Verbrechen hat aber eine Ursache und ein Motiv, so verborgen und unfassbar diese manchmal auch sein mögen. Auch gibt es Verbrechen die nur vor einem bestimmten gesellschaftlichen Klima überhaupt denkbar sind, dazu zähle ich bspws. massive Verbrechen an Minderheiten (Obdachlose, Farbige, usw.)
Bei dieser Voraussetzung wird jedes „Sicherheitskonzept“ scheitern, denn es ist unmöglich jeden Menschen zu jeder Zeit zu schützen.

Auch dieses Verbrechen hat, selbst nach vorsichtiger Einschätzung, gesellschaftliche Wurzeln.
Viele Menschen leben seit der Einführung des SGB II ständig in der zunächst scheinbar irrationalen Angst in ihrer Existenz bedroht zu sein. Bereits in den offiziellen Begriffen „Existenzsicherung“ und „Existenzminimum“ schwingt diese Bedrohung mit, denn was ist, wenn diese „Sicherung“ oder das „Minimum“ für die Existenz versagt oder versagt wird?
Zahllose Fälle und auch einige Todesfälle belegen, das diese Angst eben doch nicht irrational sondern sehr rational und real sein und werden kann. Während viele, die meisten Menschen sich in ihr „Schicksal“ ergeben, führt diese „Irrationalität“ bei einigen Menschen zu sich allmählich steigender Wut die irgendwann in sinnloser, tödlicher Gewalt enden kann.

Damit haben offensichtlich einige Verantwortliche gerechnet und mit Einführung des SGB II gleichzeitig auch flächendeckend Sicherheitsdienste installiert.
Das diese häufig unterbezahlten, z.T. sogar nur mit Aufstockung durch das ALG II existierenden Menschen einerseits nur Makulatur sein sollten und konnten, die trügerische Sicherheit suggerierte, andererseits aber die Atmosphäre der Angst und ohnmächtiger Wut verstärken würde, war bei sach- und fachgerechter Betrachtung vorauszusehen.

Spätestens nach den ersten Fällen scheinbar „irrationaler“ Handlungen gab es auch von nicht betroffener Seite erste und deutliche Warnungen, die unbeachtet blieben.*

Diese kurze Ursachenbetrachtung leistet weder der oft zu Recht gescholtenen „Täterzentrierung“ Vorschub noch macht sie aus dem Täter ein Opfer oder gar aus dem Opfer eine Täterin.
Die daraus resultierenden 10 Gebote zur Sicherheit von Jobcentermitarbeitern machen aber mit Sicherheit mehr Sinn als die zu schnellen und zu lauten Rufe nach „neuen Sicherheitskonzepten“ der diversen Lobbyisten.

Im Gedenken an Christy S. (+ 19.5.2011) und Irene N. (+ 26.9.2012) und die zahllosen weiteren Opfer dieses Systems.

Horst Freiling

ergänzend:Manifest der Mitarbeiter französischer Arbeitsagenturen
Remonstationspflicht

*Die Einlassungen der DPolG weichen insofern vom „Mainstream“ ab, als sie bereits sehr früh das Element, die Kritik an „Hartz4-Gesetz und Ausführung“ enthielten

 

 

  One Response to “Tod im Jobcenter – Sicherheitsdebatte”

Comments (1)
  1.  

    Danke für dieses sachliche, punktgenaue Schreiben.
    Es ist ein wohltuendes Gegengewicht zu mainstream und co

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(benötigt)

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