Dez 042009
 

Termin 4.12.09 Amtsgericht Aachen


Die Anekdotensammlung der Geschichten um Gerichte ist um eine reicher geworden.

Es gab – bei den alten Griechen die Scherbengerichte, die sagenhaften salomonischen Urteile, das königlich bayrische Amtsgericht und jetzt das kaiserpfälzische Amtsgericht Aachen.

Anwesend eine hochschwangere Richterin nebst Beisitzer und Protokollantin, ein bärbeissiger, d.h. mit Amtsmiene auftretender Staatsanwalt, der Beklagte nebst Anwalt und ca. 15 Zuschauer.
Die fanden sich nach max. einer halben Stunde zu aller Verwunderung auf dem Flur wieder, um das soeben genossene Possenstück ungläubig Revue passieren zu lassen.

Nach Befragung von Thomas F. zu seiner Person, einem kurzen Statement seinerseits zu seinen Absichten bzgl. der zur Debatte stehenden Aussagen verlas der Staatsanwalt die Anklage.
Begründet war sie mit § 140 i.V.m. § 126 StGB (Billigung und Belohnung einer Straftat) und dem Tenor, das Thomas F. mit seiner Aussage nicht nur die Tat gebilligt sondern auch andere Menschen dazu veranlasst habe dies ebenfalls zu tun.
So weit so gut und in sich schlüssig, denn wenn die Welt eine Scheibe ist, ist natürlich auch der Horizont begrenzt.

Logischerweise kann aber diese Aussage nicht alleine für sich stehen, da Thomas F. ja nicht die Tat selbst beschrieben, sondern einen Bericht kommentiert hatte. Gesucht wurde also jetzt dieses Beweisstück – sozusagen „Tatwaffe” oder „Leiche”.

Der Staatsanwalt blätterte und blätterte, die Richterin schlug Seite um Seite um und schließlich wurde dann der Verteidiger noch um „Schützenhilfe” gebeten, ob er denn nicht den Artikel der AN hätte!
Nach Ansicht des Staatsanwaltes offensichtlich das Selbstverständlichste der Welt, das der Beklagte die Beweise seiner vermeintlichen Schuld für alle Fälle, sollten diese der Staatsanwaltschaft verloren gehen, uneigennützig zur Verfügung stellt.

Erst nach einem kurzen Geplänkel zwischen Staatsanwalt, Richterin und Verteidiger in dem es darum ging ob denn jetzt der Artikel oder evtl. die abgeurteilte Tat, Originalton Staatsanwalt: „Amoklauf”, „Geiselnahme mit 2 Geiseln”, „…gab es schon eine Verhandlung oder Urteil gegen wen?”, Originalton Richterin „weiß ich nicht”, einigte man sich darauf, dass in einem weiteren Termin der Artikel der AN die Basis der Verhandlung sein solle. Soweit diese Provinzposse.

Stellen wir uns zum Schluss die Frage was bislang so gelaufen ist, dann weiß man angesichts dieser Verschwendung von Ressourcen=Steuermitteln nicht ob man lachen oder weinen soll.

Wohl wissend, pardon wissen müssend, das das Eloforum die IPs der Benutzer nicht logt, werden 2 Verfahren in Gang gesetzt um an genau diese nicht vorhandenen Daten zu gelangen.

In dem 3. Verfahren sind weder Richterin noch Staatsanwalt über die ursprüngliche Situation informiert die, einmalig in der BRD, nur wenige Monate zuvor an genau diesem Gericht verhandelt und abgeurteilt worden ist, und der Staatsanwalt vergißt sein Haupt- und einziges Beweisstück in der Akte zu hinterlegen.

Was hätte dazu wohl der Richter am königlich-bayrischen Amtsgericht gesagt.
„Jo mei Herr Staatsanwalt, woas hamm´s denn sie während ihres Studiums gmacht, nur gsuffa und mit die Madeln umanand gwesn, woas.”

Leider hat es im Anschluss an die Verhandlung geregnet und so haben wir mit Thomas nur noch einen kurzen Ausflug in die Altstadt und zu Dom und Rathaus gemacht.

Auf bald und auf ein Neues demnächst in diesem Theater.

fG
Horst

  2 Responses to “Billigung der Geiselnahme?”

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(benötigt)

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