Jun 122012
 

Ein offener Brief zu „Soldaten sind Mut-Bürger in Uniform“
Quellen: diverse Magazine, ARD; suche: gauck + mutbürger

Sehr geehrter Herr Gauck,

ich bin mir nicht sicher ob ich ihr „Bekenntnis zur Bundeswehr“ als nur peinlich oder ernsthaften Spaltungsentwurf  zum Zwecke eines unbeschränkten Militarismus betrachten soll.
Statt sich allerdings zur „Verteidigung am Hindukusch“ zu bekennen, nehmen Sie sich doch besser ein Beispiel an der „bekennenden Kirche“.

Was sie als „Nicht-Wissen-Wollen“ [der Bevölkerung] meinen feststellen zu dürfen, betrachte ich als eine über Jahrzehnte gewachsene, tiefe Abneigung der Bevölkerung vor dem Einsatz einer faktischen Berufsarmee u.a. zum Zwecke der wirtschaftlichen Unterstützung und Ressourcensicherung auf fremdem Territorium. Das musste Herr Köhler gar nicht mal eingestehen, das ist Standardwissen.

Ursprünglich festgelegt war der Einsatz einer Bundeswehr der Wehrpflichtigen ausschließlich für den Verteidigungsfall auf eigenem Territorium und das ist eben ein erheblicher, ja grundsätzlicher Unterschied zu der heutigen Situation. Das es immer schon Hintertüren zwecks anderer Verwendung gab, ist in diesem Zusammenhang unerheblich.

Dieser tiefen Abneigung gegen Gewaltlösungen auf beiden Seiten der einstmals trennenden Grenze sollten doch gerade Sie sehr dankbar sein, hat auch diese doch schließlich bei der Wiedervereinigung jegliches Blutvergießen verhindert.

Ich will ihnen gar nicht mal die alte preußische Frage stellen, „hamse eijentlich jedient?“, die Antwort ist bekannt. Aber woher nehmen sie dann die unverschämte Frechheit, zumal als „5-Minuten-vor-12-Bürgerrechtler“, die vorgenannte Abneigung als „ohne uns“-Reflex“ an den Pranger zu stellen.

Sie und nicht etwa die Gegner militärischer „Interventionen“ nehmen unsere Geschichte nicht ernst.

Sie stellen in unverantwortlicher Weise den sich gegen einen überbordenden Staat wehrenden „Wutbürger“ gegen einen „Mutbürger“ der allerdings rechtlich einwandfrei in der Gesamtheit als „Soldaten sind Mörder“ bezeichnet werden darf.

Wobei diese „Mutbürger“, unabhängig von der Frage ob es tatsächlich so mutig ist Teil einer technisch absolut überlegenen Truppe zu sein, auch Opfer sind.
Denn was sie tatsächlich jenseits der Hochglanzprospekte erwartet, merken sie wohl erst wenn es zu spät ist. Oder wie erklären sie sich Morde und Selbstmorde nach den Einsätzen sowie eine der letzten Meldungen „Somit sterben mehr US-Soldaten durch die eigene Hand als bei Kämpfen in Afghanistan.“

Zugegeben das sind US Soldaten und keine Deutschen. Stellt sich folglich die Frage sind deutsche Soldaten „robuster“ oder ist einfach das Pressemanagement besser?

Und, sehr geehrter Herr Gauck, noch eines in diesem Zusammenhang, Soldaten „fallen“ nicht wie Kinder die sich das Knie anstoßen sondern sie werden durch Kugeln oder Metallsplitter verletzt, zerfetzt und getötet. Zumindest zu ersterem und letzterem sollten sie sich durchringen können statt der euphemistischen Redensart aus längst vergangenen Zeiten.

Abschließend Herr Gauck sage ich Ihnen – schämen Sie sich. Schämen Sie sich dafür dass Sie zugelassen haben, dass Kinder im Kindergartenalter in unmittelbare Nähe zu dem professionellen Tod positioniert wurden, denn nichts anderes ist in letzter Konsequenz das Handwerk des Soldaten.

Völlig zu Recht geht das Entsetzen über den Einsatz von Kindern als Schutzschilde im Syrienkonflikt über die Ticker.

Der Schutz der Kinder fängt allerdings weit früher an – nicht als Staffage bei einem militärischen Empfang missbraucht zu werden.

Vielleicht muss es tatsächlich noch lange Zeit Soldaten geben, weil ein Teil der Menschen nicht fähig ist sich mit „wir sind Weltmeister“ oder „wir sind Papst“ zufrieden zu geben, Kinder sind dafür aber der absolut ungeeignetste Rahmen.

Schlußendlich ist nichts dagegen einzuwenden wenn Sie der Meinung sind, dass wir Soldaten brauchen. Als Bundespräsident hätte das bereits Gewicht genug. Das Sie allerdings die Meinung anders Denkender nicht respektieren sondern diffamieren macht Sie nur zu einem weiteren salbungsvollen Maulhelden der politischen Klasse, die zu allen Zeiten gerne andere für sich kämpfen und sterben ließen.

Mit freundlichen Grüßen

Horst Freiling

 

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