Jan 122014
 

Schon mitbekommen? Es gibt einen neuen fashiontrenddie Petition. Auch bekannt als die „neue Verantwortungslosigkeit“. (m.a.W. – mitzeichnen, sich den Schweiß von der Stirn wischen und…warten)

<!--column-->Wer auch immer etwas nicht auf die Reihe bekommt, Mist gebaut hat, schlicht und ergreifend zu feige ist Sachen in seinem Verantwortungsbereich selbst anzugehen und/oder brutal genug ist massiv eigene Interessen hinter etwas „Sozialem“ zu verbergen, der tritt mit markigen Worten scheinbar zugunsten einer Benachteiligtengruppe eine Petition los und Schuld an dem Versagen haben dann „wir alle“ vor allem natürlich diejenigen, die nicht mitzeichnen.Dieses „webwash 2.0“ ist sehr schön an der Petition „Für den Erhalt offener, vertraulicher und unabhängiger psychosozialer Beratung in Hamburg!“ zu sehen und zu belegen!


Scheinbar geht es dabei um „Leidtragende dieser absurden Maßnahmen sind ca. 100.000 erwerbslose und/oder unterbeschäftigte Menschen in Hamburg.“ Tatsächlich jedoch schlicht und einfach um die „Kohle“ für Träger, die bereits jetzt den Ansatz vertreten, dass Erwerbslose grundsätzlich psychisch/sozial instabil sind, folglich „betreut“ werden müssen und sei es mit so untauglichen Mitteln wie “Telefonberatung“ sowie zu diesem Zweck sich über Jobcenter finanzieren lassen.

Um es klar und unmissverständlich  zu sagen, dieser Hamburger Sonderweg – die „psychosoziale Betreuung“ als Seitenzweig des Jobcenters, muss insgesamt beendet werden – sofort, je schneller desto besser.

Die Petition müsste also lauten – „Wir fordern die Hamburger Vereine, die sich über die Jobcenter für eine massenhafte, psychosoziale Betreuung von Erwerbslosen finanzieren lassen, auf von diesem Irrweg abzulassen und unverzüglich eine sozial verträgliche Finanzierung für eine unabhängige, ganzheitliche Beratung anzustreben.“

Wir erinnern uns, na ja wie soll eine 21-jährige Petentin („Strohfrau“?) sich wohl „erinnern“, bereits in den Ursprungspapieren zum SGB II (Hartz IV) war von „psychosozialer Unterstützung“ die Rede. Mehr und mehr kristallisierte sich mit einer 3-er Klassifizierung der wahre Charakter von Hartz IV heraus, die Verwaltung von angeblich „Arbeitsmarktfernen“, tatsächlich „Überflüssigen“ ja sogar unterstellt „Lebensuntüchtigen“, die „Verpsychiatrisierung“ und Entrechtung nahm ihren Lauf.

Ihren Niederschlag fand sie in massenhaften Maßnahmen wie „Strukturierung des Alltags“, „10.000 Schritte“, „6000 Schritte um die Alster“,  etc. pp.
Maßgeblich dabei, Träger die für Geld offensichtlich alles machen was sich noch irgendwie als „gute Tat“ vermarkten und in klingende Münze verwandeln lässt.
Spätestens seit sich die Grünen, wir erinnern uns Ihrer Rolle bei Hartz IV?, in Gestalt einer Dipl. Volkswirtin und einer Politologin und der Aussage „…Der präventiven Arbeit zur Verhinderung von Arbeitslosigkeit den Boden zu entziehen,…“ zu Wort gemeldet haben, müssten allerdings bei allen Aktiven die Alarmglocken schrillen. Tun sie aber nicht, es geht ja angeblich um die „armen Erwerbslosen“ die bald keine „Telefonberatung“ mehr „genießen“ dürfen, bzw. deren Beratungsinhalte angeblich von ihren „hilflosen Beratern“ weitergegeben werden müssen.
Falsch, liebe Petentin und Unterstützer, denn

  1. psychosoziale Beratung gehört grundsätzlich nicht auch nur in die Nähe von Jobcentern oder BA,
  2. psychosoziale Beeinträchtigungen sind i.d.R. Folge und nicht Ursprung von Arbeitslosigkeit, s. Grüne „…präventive Arbeit…“,
  3. Telefonberatung ist ein gänzlich ungeeignetes Instrument bei tatsächlich vorhandenen Beeinträchtigungen, geriert aber hohe „Fallzahlen“,
  4. gegen Übergriffe (Begehrlichkeiten) seitens des Jobcenters gibt es geeignete, berufsspezifische Möglichkeiten, z.B. Sozialdatenschutz i.V.m. Vertraulichkeit (Zeugnisverweigerungspflicht nicht nur gegenüber Gerichten), ein BSG-Urteil das spätestens bei Widerspruch eine externe Beratung grundsätzlich bejaht und die interne für untauglich erachtet (Korrektiv), usw., die die Träger und/oder einzelne Mitarbeiter einsetzen können und müssen, s. vor allem aber Punkt 1.
  5. wer sich seine an Fallzahlen gebundene „soziale (Gold)Ader“ ausgerechnet von Jobcentern als „Maßnahmen“ finanzieren lässt (§ 16a Nr. 3), darf sich doch nicht wundern, wenn diese auf dem Rechtskreis SGB II bestehen und „Ergebnisse“ sehen wollen, die ihre Daseinsberechtigung als „Überflüssigenverwaltungseinheit“ bestätigen,
  6. andere Finanzierungsarten/-zwecke – Arbeitslosenzentren/-treffs, kennen solche Begehrlichkeiten nicht und wären ohnehin die besseren Ansprechpartner

Ach ja, politisch „Schlimmeres verhüten“ ist die Formel derjenigen, die vom bisherigen System profitieren bzw. ihrer Klientel die Pfründe erhalten wollen. Sind sie an der Macht läuft das Spiel halt anders herum.
Höchst bedauerlich, dass immer noch so viele, auch sehr ernst- und gewissenhafte Menschen auf diese politischen Ränkespielchen hereinfallen und ihre kostbare Zeit für derartige Akteure verschwenden.

   

* Inhalt fehlt

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  4 Responses to “Von Petitiönchen und Petitessen”

Comments (4)
  1.  

    armutindustrie gibts aber auch in aachen und überall

    •  

      ohne wenn und aber, damit hast du völlig recht.
      Ohne es „persönlich zu nehmen“, kann ich bezogen auf Aachen nur antworten, 1. wir sind eine kleine ehrenamtliche Initiative, arbeiten stets am Rande des gerade noch Machbaren und uns steht mit Jobcenter und Armutsindustrie ein Moloch gegenüber und, 2. ist mir kein Fall (wie Hamburg) bekannt, in dem ausgewiesene und ausschließliche Beratungsstellen über das Jobcenter finanziert werden – wie erwähnt ein absolutes „no go“. Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass so etwas dennoch im Verborgenen existiert und werde daher, wenn ich mal richtig viel Zeit habe, das auch recherchieren.

      fG

  2.  

    hallo Horst,
    „böse“ aber gut 😉
    wenn Du jetzt noch ein paar links hinzufügst, können sich auch „Kritiker“ von der Richtigkeit überzeugen.

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(benötigt)

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