Okt 172012
 

Ohne mit der besagten „Feder“ zu zucken veröffentlichen an-online und az-web eine dpa-Meldung zu einer Studie über Hartz4-Empfänger mit der gleichlautenden Überschrift

„Mehrheit der Deutschen hält Hartz-IV-Empfänger für faul“

Erst im Artikel selbst wird dann diese Aussage durch die Studie relativiert. Das ist übelster BILD-Stil, meine Damen und Herren dieser Journaille.
Das es auch anders geht, zeigt nicht nur die taz sondern, man sehe und staune, sogar die BILD mit der Überschrift

„Die größten Irrtümer über Hartz IV-Empfänger“

Nun gebe ich mich natürlich nicht der Hoffnung hin, dass dieses Blatt eine biblische Wandlung vom Saulus zum Paulus durchgemacht hat, und darum gehe ich darauf auch nicht näher ein. Bemerkenswerter ist da schon die Übernahme des erfolgreichen BILDstils seitens AN und AZ.
Konsequenterweise fehlt dann auch in deren Bericht das Zitat (taz) von BA-Vorstand Alt: „Wie es überhaupt zu den hartnäckigen Vorurteilen kommt, erklärt man sich bei der BA durch einseitige Medienberichterstattung (sic!) und Unwissenheit. Die meisten Menschen hätten schlichtweg keinen Kontakt zu Arbeitslosen, sagte Alt.“ (das ist, angesichts von Millionen Erwerbslosen wohl eher der Schlichtheit im Denken, auch des Herrn Alt, geschuldet)
„Dass aber auch Politiker, wie etwa Exarbeitsminister Wolfgang Clement*, Stimmung gegen Arbeitslose machen, blieb unerwähnt.“ *oder auch Schröder, Westerwelle, Müntefering, etc. pp.

Wer jetzt allerdings glaubt, das wäre es gewesen, irrt gewaltig. Während taz und BILD sich auf diese Studie beschränken, mengen AN und AZ schnell noch die neuesten Zahlen zu Sanktionen dazu und „bekräftigen“ damit die in der Überschrift gemachte Aussage, so falsch sie in der Studie auch entlarvt wird.
Das bei diesem Schmierenjounalismus die Differenzierung der Sanktionszahlen nach Anlass ausbleibt, wen wundert das noch.
Doch es gibt noch ein weiteres journalistisches „Glanzlicht“ zu bewundern. Laut BA-Sprecher sind die Sanktionen angeblich auf eine vermehrtes Stellenangebot zurückzuführen, auch hier, welche Stellen zu welchen Konditionen – Fehlanzeige. Dies wiederum kommentiert Katja Kipping von der LiNKEn als verfassungswidrig, bezogen auf Sanktionen allgemein. Durch den unmittelbaren Zusammenhang entsteht aber der Eindruck, als sei die vermehrte Stellenvermittlung gemeint. Da zeigt sich doch so recht die Überlegenheit des journalistischen Geistes und wozu er missbraucht wird.
Und weiter geht es im Text bis auf den letzten Absatz. In gerade mal 2 Sätzen wird das zuvor sorgfältig zementierte „Vorurteil“ relativiert und Alt mit den Worten: „Meist sind diese Vorurteile Irrtümer“ zitiert.

Bravo, liebe Aachener Verlagsgesellschaft, das war eine ganz tolle Arbeit ganz im Sinne der Aussage John Swinton´s, s. warum ein blog Sinn macht.

 

  One Response to “Über „Schmier“finken und andere Arten”

Comments (1)
  1.  

    hm…hier wird offenbar schlicht aberglaube verbreitet

    (und ich kann immer noch keine links setzen 🙁

    und aberglauben kann aber auch schlicht gefährlich werden…für den glaubenden

    ja..ich habe auch immer meine not , allen klischees gerecht zu werden..auszusehen wie frau flodder…is nich so einfach und das tagtäglich , damit man nicht immer zu hören kriegt „waaaaaaas sie sehen gar nich so aus „:).( da is man froh , wenn man sich abends wieder in e normalen menschen verwandeln kann ..so mit duschen , gestylten haaren …:)und das man sich bewegen kann und nicht faul auf hängematten rumliegen muss und „datteln „:)

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(benötigt)

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